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Stadtgeschichte

Zur ersten Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Leitomischls kam es entlang eines Handelsweges, der später Trstenicer Pfad genannt wurde und unweit des heutigen Svitavy (Swittau) über die Landesgrenze führte und Böhmen mit Mähren verband. Die schriftlich belegte Stadtgeschichte beginnt gegen Ende des 11. Jahrhunderts, als der Fürst Bretislav II. hier - wohl an Stelle einer älteren Burganlage der Slawnikinger, die der Chronist Kosmas bereits unter dem Jahr 981 erwähnte - entweder eine Kirche oder ein Haus des Benediktinerordens gründete. In der Mitte des 12. Jahrhunderts brachte der Olmützer Bischof Zdik den Prämonstratenserorden an diesen Ort, dessen Kloster an der Stelle des heutigen Schlosses stand und den Namen Ölberg trug. Zum Kloster gehörte auch die Kirche des hl. Klemens, die früher für die älteste Kirche in Böhmen gehalten wurde.

Das Kloster wurde zu einem wichtigen regionalen Zentrum, und in seiner Nähe, entlang des Weges am Fluss Loucna, wuchs eine Ortschaft heran. 1259 erteilte der König Premysl Ottokar II. dieser Ortschaft die Stadtrechte, sodass Leitomischl eine untertänige Stadt wurde.

1344 wurde - zeitgleich mit der Entstehung des Prager Erzbistums - in Leitomischl ein Bistum errichtet. Das Kloster wurde aufgelöst und seine Güter wurden dem Bischof und seinem Kapitel übergeben. Zum Bischof von Leitomischl wurde 1353 der Kanzler Karls IV., Johann II. von Neumarkt (Jan ze Stredy), ernannt, ein Mann mit großem kulturellen Überblick. Er führte 1356 die Augustiner nach Leitomischl ein; aus deren damals erbauter Klosterkirche wurde später die heutige Propstkirche.

1388 wurde Johann IV. der Eiserne zum Bischof ernannt; er war u. a. als Gegner von Johann Hus bekannt. Die hussitischen Truppen zogen 1421 - obwohl Johann IV. damals bereits in Olmütz wirkte - gegen Leitomischl. Die Stadt ergab sich damals freiwillig. Vier Jahre später wurde sie allerdings von einem radikaleren Flügel der Hussiten eingenommen; man kämpfte auch um die Burganhöhe. Bischof Ales von Brezi flüchtete und das Bistum erlosch faktisch mit dem Niederbrennen seiner Gebäude.

Ab 1432 besaß das Geschlecht Kostka von Postupice die Stadt, die unter seiner Herrschaft aufblühte und im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts zu einem wichtigen Zentrum der Böhmischen Brüdergemeinde wurde. Hier residierte ihr Bischof, hier befanden sich ihr Archiv und eine bedeutende Druckerei. Ende des 15. Jahrhunderts erweiterte sich die Stadt zur Burganhöhe hin, wo die sog. Neue oder Obere Stadt mit einer eigenen Selbstverwaltung entstand.

1547 wurde die Stadt Leitomischl Bohus Kostka von Postupice genommen, als sie wegen seiner Teilnahme an einem misslungenen Aufstand gegen Ferdinand I. konfisziert wurde. Ein Jahr später wurde das Verbot der Brüdergemeinde, die sich - vor allem in Person des Bischofs Jan Augusta - am Widerstand ebenfalls beteiligt hatte, erneuert und ihre Mitglieder wurden gezwungen, das Land zu verlassen.

1567 wurde Vratislav von Pernstejn Besitzer der Leitomischler Domäne, die damals eine der größten hierzulande war, und ein Jahr später ließ er hier ein Renaissanceschloss erbauen. Der Sitz der Kostkas, der durch den Wiederaufbau von Gebäuden des früheren Bistums entstand und von einem Brand zerstört wurde (von Bränden wurde die Stadt übrigens während ihrer gesamten Geschichte geplagt), war verwüstet, und das Schloss war de facto ein Neubau. Es wurde, u.a. auch dank seiner herrlichen Sgraffito-Verzierungen, zu einem der schönsten Renaissancebauwerke weit über Böhmen hinaus. Aus Vratislavs Zeit stammt auch die städtische Sauberkeitsverordnung, ein interessantes Zeugnis des Gesichts der Stadt und der öffentlichen Hygiene.

Vratislav von Pernstejn ging hart gegen die Böhmischen Brüder vor, und nach seinem Tod setzten seine Ehefrau Marie Manrique de Lara und Tochter Polyxena die Rekatholisierung fort. Die letzte Angehörige des Geschlechtes der Pernstejns, Frebonia von Pernstejn, lud 1640 den Piaristenorden nach Leitomischl ein, das von den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges verheert worden war. Ein piaristisches Kolleg mit einer Kirche und mehreren Schulen wuchs in den nachfolgenden Jahren an der frei gewordenen Stelle der Oberen Stadt heran, die 1635 ein weiterer Brand zerstört hatte.

Die Piaristen waren ein Schulorden: Bereits 1644 begannen sie in den Schulen zu unterrichten, die ursprünglich an der Stelle der heutigen Kirche standen. Eine große Bedeutung für den weiteren kulturellen Aufschwung und Ruf der Stadt hatte das Philosophische Institut, das noch im 17. Jahrhundert neben dem piaristischen Gymnasium gegründet wurde.

Schwere Fronarbeit und andere Pflichten, die auf den Untertanen nach dem Dreißigjährigen Krieg lasteten, führten 1680 zusammen mit der fortschreitenden Rekatholisierung zu einem großen Bauernaufstand, dessen Zentrum in der Umgebung von Leitomischl war. Die Hauptanführer der Rebellion wurden hingerichtet.

Der Besitzer der Domäne war damals - bereits ab 1649 - die Familie Trautmannsdorf. Sie verewigte sich im Stadtbild vor allem mit dem Bau der neuen piaristischen Kirche, die 1722 von F. M. Kanka nach den Plänen von G. B. Alliprandi vollendet wurde. Die Kirche war ein Siegessymbol der Gegenreformation und in den nächsten Jahren Zeuge vieler prachtvoller Kirchenfeste.

Im Laufe des ganzen 18. Jahrhunderts kämpfte die Stadt nicht nur immer wieder mit mehreren Bränden -angeblich pflegte man in Böhmen zu sagen: "Es brennt wie Leitomischl!" -, sondern auch mit Hochwasser und Kriegsverlusten. 1775 wurde sie von einem katastrophalen Brand, 1781 von einem Hochwasser und 1814 wieder von einem großen Brand heimgesucht. Zu den Folgen der Brände gehörte auch ein häufiger Umbau der Bürgerhäuser, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegend den Empire-Stil erhielten.

Der Brand im Jahre 1775 war für die Herrscher - ab 1758 waren es die Grafen von Wallenstein-Wartenberg - auch eine Anregung zu großen Baumaßnahmen im Schloss und seiner Umgebung. Im Schloss entstand ein bis heute erhaltenes Theater, und Laienvorstellungen waren auch in der Stadt eine beliebte Unterhaltung. 1830 trat der kleine Friedrich Smetana, der sechs Jahre früher in der Schlossbrauerei zur Welt gekommen war, als Wunderkind in eine "Akademie" der Philosophie-Studenten ein.

Die piaristischen Schulen und das philosophische Institut, das 1802 nach einer Pause erneuert wurde, waren in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts das Zentrum des geistigen Lebens in Leitomischl. In den Reihen der Pädagogen und Studenten wirkten hier viele bedeutende Persönlichkeiten des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens.

Leitomischl erlebte die Revolutionsereignisse des Jahres 1848 in dramatischer Weise. Schon im März wurde hier eine Studentenlegion und bald danach eine Bürgergarde unter Führung von Josef Buchtele aufgestellt. Ein Teil der Studenten und die Stadtgarde kämpften im Juni in Prag. Nach der Niederlage und vor allem nach den Oktoberauseinandersetzungen in Wien bereitete Buchtele einen straffer organisierten bewaffneten Aufstand vor. Dies wurde jedoch verraten, und Buchtele wurde verhaftet. Der Widerstand verbreitete sich hauptsächlich in den Schulen weiter, das Philosophische Institut wurde jedoch 1849 aufgelöst.

Die verschuldete Leitomischler Domäne wurde 1855 von der Familie Thurn und Taxis auf einer Versteigerung gekauft. Nach politischen und Verwaltungsänderungen, die von den Revolutionsereignissen hervorgerufen wurden, wurde die Domäne zur Grundlage und die Stadt Leitomischl zum Verwaltungszentrum eines neuen Bezirkes.

Das Leben in der Stadt basierte nach dem Sturz des bachschen Absolutismus auf zahlreichen Vereinen. Viele Funktionäre rekrutierten sich aus den Reihen der Pädagogen des reformierten Gymnasiums (eines Nachfolgers des Philosophischen Institutes), wo ab den 50er Jahren auch weltliche Lehrer unterrichteten. Viele bedeutende Persönlichkeiten, vor allem Schriftsteller, wurden nicht nur von den Schulen in Leitomischl, sondern auch von der bekannten Augusta-Druckerei angezogen. Auch Alois Jirasek kam als Professor an das Gymnasium. 1891 entstand das Stadtmuseum, eine Bibliothek wurde eröffnet, und seit 1905 dient das Smetana-Haus der Stadt als Repräsentationsgebäude.

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wuchs das neue Masaryk-Stadtviertel heran. 1923 wurde ein neues Gymnasium und im Jahr davor das Volkshaus erbaut. 1929 wurde das Gebäude der Gewerbeschule fertig gestellt.

1924 enthüllte man auf dem heutigen Smetana-Platz das Denkmal für Friedrich Smetana von Jan Stursa. 1926 wurde die städtische Bildergalerie mit Werken von J. Marak, A. Dvorak und verschiedenen modernen Künstlern eingerichtet. An ihre Tradition knüpft die heutige, vor einiger Zeit wieder eröffnete Bildergalerie im Schloss an. In der ersten Hälfte der 30er Jahre wurde Leitomischl Schauplatz großer Ausstellungen (über A. Jirasek, B. Nemcova und F. Smetana), an denen sich Zdenek Nejedly, der in Leitomischl geboren wurde, wesentlich beteiligte.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die örtliche jüdische Gemeinde liquidiert. Die Abschiebung der deutschen Bevölkerung nach dem Krieg änderte die nationale Zusammensetzung vor allem in den anliegenden Dörfern. Die Februarereignisse verliefen ohne größere Resonanz; die öffentliche Meinung wurde erst wieder 1950 vom Prozess gegen den Rektor des piaristischen Kollegs F. A. Stritesky und andere in Aufregung versetzt. Seit 1960 ist Leitomischl ein Teil des Bezirkes Svitavy.

1949 wurde das erste Opernfestival "Smetanova Litomysl" im Schlossareal mit großer Unterstützung von Zdenek Nejedly veranstaltet. Es hat mit Unterbrechungen bis heute stattgefunden, obwohl der ursprüngliche Plan - den Zuhörern vor allem die Musik Smetanas zu bieten - aufgegeben wurde. Das heutige Festival besitzt eine breite Dramaturgie und ein großes Renommee, es ist gleichzeitig eines der wichtigsten Kulturereignisse der Stadt. Seit 1974 geht auch das Festival "Das junge Leitomischl Smetanas", eine Schau der musikalischen Jugend, vonstatten.

Im verstaatlichten Schloss, das seit 1962 ein nationales Kulturdenkmal ist, wurde von den 70er Jahren an die Sgraffito-Verzierung renoviert. Die umfangreiche Sanierung führte in diesen Jahren eine Gruppe von Künstlern durch, an deren Spitze Olbram Zoubek stand. Eine Ausstellung des Museums für tschechische Musik in den Schlosssälen war von keiner langen Dauer. Zur Zeit gibt es im Schloss eine Führung durch die rekonstruierten Wohnräume des Adels. Die Einmaligkeit des gesamten Schlossareals wurde 1999 durch seine Eintragung in das UNESCO-Verzeichnis des Weltkulturerbes bestätigt.

Die Entwicklung nach dem November 1989 bedeutete eine lange Reihe von Änderungen im kulturellen und politischen Leben der Stadt und viele neue Bauten und Denkmalsanierungen. Es wurde das Portmoneum erschlossen und die Fachschule für Restauratoren gegründet. Die Wirtschaftsentwicklung hängt vor allem mit dem Aufschwung der Firma Vertex zusammen. Ein wichtiges Ereignis war das Treffen von sieben mitteleuropäischen Präsidenten, die sich hier 1994 auf Einladung von Vaclav Havel trafen. Ein Jahr später kehrte hier auch der spanische König ein. Die bisher letzte wesentliche Änderung im Gesicht der Stadt war die Sanierung der Klostergärten, die im September 2000 der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurden.

Das heutige Leitomischl ist eine Stadt, die sich ihrer reichen Geschichte und Traditionen bewusst ist und daraus Ideen für ihre weitere Entwicklung schöpfen kann. Sie hat einen reichen Bestand an Denkmälern, bemüht sich aber auch um eine hochwertige moderne Architektur. Sie behält sich ihren letztlich "kleinstädtischen" Charakter bei und bietet Möglichkeiten, wenigstens Resten vom Geist der Leitomischler Aufklärer und Patrioten zu begegnen. Sie entfaltet ein reges Kultur- und Vereinsleben, aber auch Industrie, Gewerbe und Wirtschaft finden sich hier. Außerdem bietet sie ihren Bewohnern und Besuchern vielfältige Sportaktivitäten (beispielsweise auf dem Sportareal, an dem zur Zeit gebaut wird).

Bei der Vorbereitung dieses Textes wurde das Buch von M. Skrivanek "Litomysl - Starobyle mesto" (Paseka, Praha und Litomysl 1997) verwendet, in dem weitere Literatur zur Stadtgeschichte angeführt ist.


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